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KommentareDie Kommentaren, die die Befragten zu besonders gravierenden Vorfällen von Cyber-Mobbing gemacht haben, spiegeln das Spektrum der technischen Schikane wider: Internetchats, Weblogs und Handykameras sind die "beliebtesten" genutzten Mittel, um einen Lehrer oder Schüler zu mobben.
Am häufigsten wurde von Vorfällen berichtet, bei denen Handyaufnahmen von Lehrern oder Schülern gemacht wurden, die diese in beschämender Weise darstellten und die ins Netz gestellt oder in anderer Form verbreitet wurden. So wird z. B. eine Situation geschildert, in der einem Lehrer ein Eimer Wasser über den Kopf gegossen wurde oder eine Lehrerin sich auf einen angesägten Stuhl setzte und daraufhin stürzte. Ferner wurden private Videoaufnahmen einer Schülerin unter den Mitschülern verbreitet, so dass sich das Opfer vor Scham nicht mehr in die Schule traute.
In Internetforen wurden Gewalttaten angekündigt, die sogar vor Morddrohungen nicht zurückschreckten. Auch hier waren Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler gleichermaßen betroffen. In einigen Fällen erhielten die Betroffenen Emails, in denen sie verspottet oder beschimpft wurden. In einem weiteren Fall loggten sich die Täter unter dem Namen von zwei Lehrerinnen in einen Sexchat ein.
„Die durch Cyber-Mobbing betroffenen Personen fühlen sich mehr bedroht als durch offen ausgetragenes Mobbing, da man sich über den PC sehr öffentlich gemacht und auch ausgeliefert fühlt.“ Dieser Kommentar dürfte die Meinung vieler Betroffenen widerspiegeln. Eine Verharmlosung der Vorfälle wird als nicht angebracht bewertet, zumal eine Beratungslehrerin davon berichtet, dass das Lesen von Cyber-Mobbing Emails oder Chatnachrichten traumatisieren und zu depressiven Verhalten führen kann. Die Gruppendynamik unter Schülern wird als eine Ursache für „solche Auswüchse“ gesehen.
Allerdings versuchen manche Lehrer, die Schüler zu verstehen, wenn sie ihren „Frust“ im Netz abbauen. Sie argumentieren dies damit, dass den Schülern die persönliche Auseinandersetzung schwer falle und Schulen auf ihre Kritik nicht immer eingehen: „Nicht alle Schulen nehmen Kritik von Schülern gegen Lehrer ernst, vieles wird einfach abgewiegelt und nicht verfolgt. Natürlich ist Mobbing keine Lösung, aber: sind wir nicht hin und wieder selbst verantwortlich dafür, zu welchen Mitteln Schüler greifen, wenn sie sich nicht ernst genommen fühlen?“ Mobbing sei daher nicht allein den technischen Möglichkeiten geschuldet, sondern könne auch eine Folge von unangemessenem Lehrerverhalten sein.
Besonders bestürzt und verärgert äußerten sich diejenigen Lehrerinnen und Lehrer, bei denen nach den Cyber-Mobbing Vorfällen keine ernsthaften Bemühungen zur Unterbindung oder Klärung stattgefunden haben. So bemängelten die Befragten, dass in den ihnen bekannten Fällen weder die Eltern, die Polizei, noch die Schulaufsichtsbehörde oder die Schulleitung angemessen reagiert hätten. Deren Reaktion reiche von Negierung oder Verharmlosung der Vorfälle bis hin zur Hilf- und Machtlosigkeit. Beispielhaft hierfür stehen die folgenden Kommentare:
-„Eltern begreifen oft nicht, was ihre Kinder im Internet tun. Eltern verstehen oft die Tragweite von "www" als Öffentlichkeit nicht“,
-„Die Polizei wurde eingeschaltet, konnte aber nicht wirklich etwas ausrichten“,
-„Ärgerlich ist die Verharmlosung durch die Polizei im Fall einer Anzeige“,
-„In einem sehr krassen Fall wurde eine entschiedene Reaktion der Schule von der Schulaufsichtsbehörde abgebogen“,
-„Die Schule reagierte dann mit einem Verweis, der aber erst vor der Bezirksregierung durchgefochten werde musste“,
-„Abhören von Gesprächen mit dem Handy bleibt nach Bekanntwerden bei der Schulleitung ohne jede Reaktion“.
Es bestehe daher bei allen Ansprechpartnern ein großer Bedarf an Aufklärung, nicht zuletzt, weil das Cyber-Mobbing Phänomen noch sehr neu ist.
Dass man den Cyber-Mobbing Vorfällen nicht hilflos gegenüberstehen muss, zeigen mehrere Kommentare der Befragten. Sie geben HInweise darauf, wie die an Schule beteiligten Personen oder Behörden auf die Vorfälle reagieren sollten und wie Cyber-Mobbing präventiv verhindert werden kann.
Als grundlegend wurde die Aufklärung von Schülern, Eltern, Lehrern, Schulleitung und Schulministerium gesehen. Besonders lohne es sich, mit Schülern das Gespräch zu suchen, da ihnen die Tragweite ihrer Handlung häufig nicht bewusst sei. Einige Befragte bestätigten, dass nach einem aufklärenden Gespräch der Umgang untereinander deutlich verbessert wurde und die Vorfälle zurückgingen. Dies könne auch durch die Einführung von Verhaltenskodices erreicht werden. In ihnen werde vereinbart, wie ein rücksichtsvolles Miteinander gestaltet werden kann. Ebenso ließen sich Vereinbarungen zum Umgang mit Handys im Schulalltag treffen. Die Einführung von Verhaltenskodices wurde von Seiten der Befragten daher stark befürwortet und als sehr sinnvolle präventive Maßnahme angesehen. Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zum Umgang mit Cyber-Mobbing wurden ebenfalls begrüßt. Des Weiteren sollte den Opfern sowie der Schulleitung aufgezeigt werden, welche (schulordnungs)rechtlichen Möglichkeiten bestehen, um gegen das Mobbing vorzugehen. Ebenso sollte den Opfern psychologische Betreuung angeboten werden. Hier könnte auch eine Supervision des betroffenen Kollegen angedacht werden.