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PM vom 22.06.2012Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert erhebliche Investitionen von Bund, Ländern und Kommunen in die kulturelle/musisch-ästhetische Bildung, aber auch in Sport und Bewegung an den Schulen. „Jedes Kind muss im Rahmen der Schule ein Instrument lernen und eine Sportart seiner Wahl ausüben können“, betonte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer am Freitag in Frankfurt a.M. Da der Schulbesuch für alle Kinder verpflichtend sei, hätten Schulen ihrerseits die Verpflichtung, ungleichen Bildungschancen etwas entgegen zu setzen.
Es sei erschreckend, so Demmer, in welchem Ausmaß junge Menschen aus finanzschwachen Elternhäusern und in Haupt- und Sonderschulen auch in kultureller Hinsicht benachteiligt würden. „Die Bildungsschere klafft auch hier immer weiter auseinander, je kostspieliger und aufwändiger kulturelle Teilhabe wird. Deshalb gehört das Geld aus dem sog. Bildungspaket in die Schulen, statt es weiter für Bürokratieexzesse auszugeben oder durch die Bundesregierung wieder einzusammeln.“ Demmer wies darauf hin, dass viele Berechtigte das ihnen zustehende Geld nicht in Anspruch nähmen, weil sie keinen wohnortnahen Zugang zu kulturellen oder sportlichen Angeboten haben und sich die Fahrtkosten nicht leisten können. Und „Taxi Mama“ stehe in diesen Familien auch nicht zur Verfügung.
Für die GEW-Vize steht „außer Frage“, dass der zügige Ausbau von Ganztagsschulen in gebundener Form eine wesentliche Voraussetzung sei, ein attraktives schulisches Angebot im kulturellen/musisch-ästhetischen und sportlichen Bereich zu ermöglichen. „Die Flickschusterei bei den Ganztagsangeboten muss ein Ende haben. Damit die Kommunen die erheblichen Kosten schultern können, brauchen wir ein neues Investitionsprogramm, an dem sich auch der Bund maßgeblich beteiligt. Dazu muss das völlig unsinnige Kooperationsverbot wieder aus dem Grundgesetz gestrichen werden“, sagte Demmer.
Aber nicht nur Geld, sondern auch „komplexe Bündnisse für kulturelle Bildung“, z.B. mit kommunalen Musik- und Kunstschulen sowie Vereinen, sind nach Ansicht der GEW-Schulexpertin notwendig. Allerdings sei die Koordination von und Kooperation mit vielen nicht-schulischen Partnern eine „anspruchsvolle und zeitaufwändige Aufgabe“, für die die Schulen vor allem in der Schulleitung geschultes Personal und genügend Zeit benötigen. Daran mangele es jedoch derzeit „ganz erheblich“.
Große Defizite sieht die GEW auch an anderen Punkten. Ergebnisse einer Online-Befragung von 3500 repräsentativ ausgewählten GEW-Mitgliedern aus dem Schulbereich zeigten, dass es an vielen Schulen im kulturell/musisch-ästhetischen Bereich an ausgebildeten Lehrkräften, geeigneten Räumen und guter Ausstattung fehlt. Der Unterricht in den kulturellen/musisch-ästhetischen Fächern werde zum Beispiel zu mehr als 30 Prozent fachfremd erteilt. An Haupt- und Sonder-/Förderschulen lägen die Anteile erheblich darüber, an Gymnasien erheblich darunter.
In zehn Prozent der Schulen gebe es keine Aula oder einen für Schüleraufführungen geeigneten Raum. Dabei seien Schülerdarbietungen vor Publikum für die kulturelle Bildung von zentraler Bedeutung. Ganz besonders schlecht sei es um Grund- und Realschulen bestellt. Hier beklagten 16 Prozent (Grundschulen) und 14 Prozent (Realschulen) das Fehlen geeigneter Räume. Am besten stellt sich die Situation in Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen dar: Jeweils 78 Prozent der Befragten beurteilten ihre Aulen oder Foren als gut oder zufriedenstellend. Nur zwei Prozent an Gymnasien und vier Prozent an Integrierten Gesamtschulen sagten, ein für Schüleraufführungen geeigneter Raum sei nicht vorhanden.
Weitere Informationen aus der Online-Befragung sind ab ca. 16 Uhr auf der GEW-Website unter dem Punkt "Mehr zu" in der Infobox rechts oben einzusehen.
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/ dpa-Dossier Bildung Forschung Nr. 24/2012 (156 KB) Schwerpunkt Bildung/Schulen/Kultur |